Besondere Betreuung von Menschen mit Demenz

Die Zahl der Bewohner mit Demenzerkrankungen nimmt in deutschen Seniorenpflegeheimen seit Jahren stetig zu. Ein Grund hierfür liegt in der höheren Lebenserwartung, mit der die Wahrscheinlichkeit steigt, demenziell zu erkranken.

Trotz der Entwicklung neuartiger Medikamente kann der Krankheitsverlauf der Demenz aber langfristig nicht gestoppt werden, so dass es für uns wesentlich darauf ankommt, den betroffenen Bewohnern ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sich trotz ihrer Krankheit wohl und angenommen fühlen. Dabei kommt der wertschätzenden und annehmenden Grundhaltung der Menschen, insbesondere der Mitarbeiter, die die demenziell erkrankten Bewohner begleiten, eine ganz besondere Bedeutung zu. Aber auch ein angemessenes Betreuungs- bzw. Begleitungskonzept ist für die Lebensqualität der Betroffenen entscheidend.

Im St.-Bilhildis-Heim wurde in allen Wohnbereichen eine Betreuung für demenzerkrankte Bewohner eingerichtet, die sich an der Selbsterhaltungstherapie (SET) ausrichtet. Die Mitarbeiter wurden für ihre besondere Aufgabe eigens geschult. Die Selbsterhaltunsgtherapie wurde in den achtziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts von Frau Dr. Barbara Romero an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der TU München entwickelt und seit 1999 vor allem im Alzheimer-Therapie-Zentrum der Neurologischen Klinik Bad Aibling angewandt, das Fr. Dr. Romero als stationäre Reha-Einrichtung gegründet hat. Seit 2006 kooperiert sie mit St. Bilhildis, um ein eigenes SET-Programm für die stationäre Pflege zu entwickeln.

SET ist ein integratives und ressourcenorientiertes Konzept, das die Anpassung des sozialen und materiellen Umfeldes an die Bedürfnisse des dementiell Erkrankten und die optimale Nutzung seiner Ressourcen ins Zentrum der Begleitung stellt. Auf übende Verfahren zur Steigerung defizitärer Leistungen wird in der Regel verzichtet. Wichtige Elemente sind: die Anpassung der Kommunikation, der Alltagsgestaltung und der Beschäftigung sowie die Erinnerungsarbeit. Das SET-Programm in Heimen umfaßt vier Schritte:

  • (a) Erhebung und Auswertung von Daten zur medizinischen Diagnose und zum Krankheitsbild (b) Erfassung der Krankheitssymptome im Verlauf
  • Erfassung der individuellen psychischen Bedürfnisse und Ressourcen
  • (a) Ausrichtung der Pflege und der Tagesgestaltung an den individuellen psychischen Bedürfnissen des Bewohners, (b) optimale Nutzung seiner individuellen Ressourcen im Alltag
  • Anpassung des materiellen Umfelds.

In St. Bilhildis wurde mit der  Implementierung von SET u.a. eingeführt:

  • auf allen Wohnbereichen Präsenzkräfte vom Frühstück bis zum Abendessen, die zwischen den Mahlzeiten Beschäftigungsangebote in den Tagesräumen machen
  • spezielle Gruppen für Bewohner mit Demenz außerhalb der Tagesräume – z.B. für Menschen mit einer sehr weit fortgeschrittenen Demenz. Diese speziellen Gruppen finden Sie Öffnet internen Link im aktuellen Fensterhier
  • eine eigene Einzelbetreuung für Menschen mit Demenz
  • Bewohnerbesprechungen mindestens einmal die Woche auf jedem Wohnbereich mit dem Ziel, die Versorgung jedes Bewohners alle 6 Monate zu erörtern
  • eigene Instrumente zur Kontrolle der Wirkung der Maßnahmen
  • eine eigene SET-Dokumentation.

Für den Ansatz der Selbsterhaltunsgtherapie gibt es bereits mehrere Wirkungsstudien, die sich allerdings auf die Ergebnisse einer zeitlich limitierten Rehabilitation im ATZ beziehen. Sie zeigen unter anderem, dass mit der Teilnahme am Programm die alltagsrelevanten Kompetenzen der Demenzkranken zunehmen, während sich die Depressivität und andere psychopathologische Störungen reduzieren.


Weitere Informationen:
Nähere Informationen zu unserem Konzept erfahren Sie bei der Sozialdienstleitung, Herrn Robl (06131-9778-819, robl(at)schervier-altenhilfe.de).

Einen allgemeinen Aufsatz zum SET-Konzept aus der Fachzeitschrift „Altenpflege“ / Ausgabe 06.2007 finden Sie hier zum  Startet das Herunterladen der DateiDownload.

Einen Aufsatz zum SET-Konzept in St. Bilhildis aus der Fachzeitschrift „Altenpflege“ / Ausgabe 01.2011 finden Sie hier zum  Startet das Herunterladen der DateiDownload.

Gemeinsam mit der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz und der Universitätsmedizin Mainz hat St. Bilhildis am 10. Oktober 2009 einen Fachtag über das SET-Konzept in den verschiedenen Anwendungsbereichen ausgerichtet (vgl. www.demenz-rlp.de). Die Abstracts zu den Vorträgen von Fr. Dr. Romero und den Mitarbeitern von St. Bilhildis finden Sie hier zum    Startet das Herunterladen der DateiDownload.

Unter dem Motto „Demenz lebt!“ zeigte das Seniorenpflegeheim St. Bilhildis vom 2. bis zum 15. September 2011 eine Ausstellung über Möglichkeiten der Begleitung von Menschen mit Demenz. In der Vorhalle der Mainzer Christuskirche wurden Fotografien von Werner Feldmann präsentiert, der dreizehn verschiedene Situationen aus der sozialen Betreuung abgelichtet hat. Ziel der Ausstellung war es, zum Abbau von Vorurteilen gegenüber der Krankheit Demenz beizutragen sowie über praktisch erprobte und wissenschaftlich belegte nichtpharmakologische Therapiemöglichkeiten zu informieren. Insgesamt besuchten rund 340 Interessierte die Ausstellung. Finanziell unterstützt wurde sie von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz, der Bank für Kirche und Caritas, dem Otto Schott-Fonds, der Verlagsgruppe Rhein-Main und von Bewohnern des Bilhildis-Heimes.

Startet das Herunterladen der DateiHier finden Sie die Fotos und Texttafeln der Ausstellung und Startet das Herunterladen der Dateihier den Bericht der Kirchenzeitung dazu.


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