Pädagogisches Verständnis

Ausbilder & Auszubildende

Das pädagogische Verständnis an unserer Altenpflegeschule ist zunächst geprägt von der kritisch-konstruktiven Didaktik nach Klafki, der patienten-orientierten Theorieentwicklung nach Wittneben und dem Konzept der Subjektorientierung nach Meueler.

Die Pflegenden werden aufgrund von Veränderungsprozessen, die sozialer, demographischer und gesundheitspolitischer Art sind, zunehmend mit neuen Aufgaben bzw. neuen Pflegeproblemen konfrontiert. Diese sind im Besonderen bedingt durch eine Veränderung der Altersstruktur mit einem wachsenden Anteil älterer und hoch betagter Menschen an der Gesamtbevölkerung und einer stetig wachsenden Anzahl von alten Menschen mit Verwirrtheitszuständen. Außerdem durch eine ständig wachsende Anzahl von Menschen, die unter chronischen Krankheiten und Mehrfacherkrankungen leiden sowie durch die Abnahme der Betreuungsfunktion innerhalb der Familie, um nur einige zu nennen. Aufgrund der genannten Veränderungsprozesse entstehen komplexe Pflegesituationen, die neben der Umorientierung im pflegerischen Handeln eine Veränderung der pflegerischen Ausbildung erfordern, um einer weitgehenden Subjektorientierung gerecht zu werden.

Erklärungen während des Lernens

Damit die Schüler/-innen den alten Menschen als Subjekt mit seinen individuellen Bedürfnissen wahrnehmen lernen, nehmen wir als Institution Schule zunächst eine Modellfunktion ein, indem wir die Schüler/-innen bei der Entwicklung ihrer individuellen Persönlichkeit zu einem handlungsfähigen und verantwortungsvollen Subjekt unterstützen. Gleichfalls wünschen wir uns, dass die Bewohner/-innen in ihrem Autonomiebestreben unterstützt und als handelnde Subjekte verstanden werden, die bei Bedarf geschont, aber auch herausgefordert werden können. Die Schüler/-innen sollen dazu befähigt werden, neben der objektiven Beobachtung der Bewohner/-innen auch deren Subjektivität nicht außer Acht zu lassen.

Im Sinne Meuelers sehen wir die Subjektentwicklung als offenen, lebenslangen Prozess, der sich in sozialen Beziehungen vollzieht. Bei der Gestaltung der Lehr-Lern-Prozesse berücksichtigen wir Fragen und Interessen der Schüler/-innen. Wir nehmen subjektive Wahrnehmungen, Einstellungen und Deutungen der Schüler/-innen ernst und ermuntern die Schüler/-innen zu selbstbestimmtem, zielorientiertem Lernen. Außerdem erwarten wir eine zunehmende Übernahme von Verantwortung durch die Schüler/-innen sowohl für ihren eigenen Lernprozess als auch für deren Lernergebnisse. Wir verstehen uns nach Meueler als Begleiter/-innen der Schüler/-innen, die jederzeit ansprechbar und einschätzbar sind.

Wir wünschen, dass sich unsere Schüler/-innen zu selbstbewussten Persönlichkeiten entwickeln, die mit anderen kommunizieren und kooperieren können. Sie sollen den Mut entwickeln, sich repressiven Strukturen zu widersetzen und für eine Humanisierung der Pflege einzutreten, unter Berücksichtigung der multidimensionalen Patientenorientierung nach Wittneben.

Im weitgehend selbstbestimmten Bildungsprozess müssen die Schüler/-innen eine passive Konsumhaltung aufgeben und Vertrauen in ihr eigenes Denken und Fühlen entwickeln.

Gruppengefühl der Auszubildenden

Als Lernbegleiter/-innen möchten wir die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schüler/-innen, im Sinne von Dave, Bloom und Krathwohl, stufenweise entwickeln bzw. fördern. Lernen ist für uns ein aktiver Prozess bei dem Kopf, Herz und Hand der Lernenden berücksichtigen. Wir möchten Schüler/-innen dazu befähigen, komplexe Pflegesituationen, im Sinne des Pflegeprozesses, in Kooperation mit den Bewohner/-innen und deren Angehörigen sowie anderen an der Pflege beteiligten Berufsgruppen, systematisch zu analysieren und zu bewältigen.

Bei der Auswahl von Unterrichtsinhalten orientieren wir uns weitgehend an beruflichen Handlungssituationen und berücksichtigen pflegewissenschaftliche Erkenntnisse, wie z.B. die Forschungsarbeit von Irmgard Bauer, die sich mit der Privatsphäre von Patient/-innen auseinandersetzt.

In Bezug auf die Unterrichtsmethoden streben wir, ausgerichtet am Ziel der Subjektbildung, demokratische Arbeitsformen an. Neben Lehrervorträgen kommen wir dem Bedürfnis nach Kommunikation entgegen, und lassen die Schüler/-innen Themenbereiche in Partnerarbeit bearbeiten; außerdem werden Pflegesituationsbeschreibungen in Kleingruppen durchgeführt. Damit Fähigkeiten bezüglich des selbst organisierten Lernens entwickelt werden, führen die Schüler/-innen Projektarbeiten aus. Außerdem erstellen die Lernenden Hausarbeiten, wie z.B. zur Thematik „Familienorientierte Pflege“ nach Friedemann, um sich im Eigenstudium zu üben. Zur Förderung der Kommunikations- bzw. Argumentationsfähigkeit und im Hinblick auf eine begründete Entscheidungsfähigkeit sowie für das Eintreten der eigenen Werte, führen wir Pro - Kontra - Diskussionen durch. Weiterhin reflektieren die Schüler/-innen Kommunikationssituationen mit Bewohner/-innen, Angehörigen und anderen Berufsgruppen im Rollenspiel.

Mit der Veränderung des Krankheitsspektrums und der allmählichen Ausrichtung des Gesundheitssystems auf präventive Maßnahmen vermitteln wir den Schüler/-innen Wissen über gesundheitsförderndes Verhalten, dass sie zur eigenen Gesunderhaltung im Alltag berücksichtigen können. Dazu besichtigen wir regelmäßig Einrichtungen, die sich hauptsächlich mit präventiven Maßnahmen zur Gesunderhaltung auseinandersetzen, wie z.B. die Gesellschaft für Gesundheitsberatung in Lahnstein.

Somit können sich die Schüler/-innen in Bezug auf die verstärkte Einbeziehung der Bewohner/-innen im Rahmen der Gesundheitsförderung, Gesundheitsvorsorge und -beratung glaubwürdiger bzw. überzeugender präsentieren.


  Druckversion